Gesamtverkehrsanalyse auf Basis von Mobilfunk- und Videodaten

Die Gemeinde Oberhaching hat 2019 eine umfassende Verkehrsuntersuchung auf Basis von Mobilfunkdaten und Videozählungen an insgesamt 16 Knotenpunkten erstellen lassen.
 
Die letzte umfassende Verkehrsuntersuchung der Gemeinde Oberhaching stammt aus dem Jahr 1998, liegt also 20 Jahre zurück. Auch damals wurde das Gesamtverkehrsaufkommen mithilfe von händischen Zählungen und von Befragungen erhoben. Hintergrund der seinerzeitigen Untersuchung waren verschiedene Wachstumsszenarien und die potentielle Wirkung einer "Bahnparallele" entlang der "Ostbahnhof-Linie" von der M11/ P&R-Anlage beim Bahnhalt Furth über den Grünwalder Weg hinweg in Richtung Bahnhof Deisenhofen bis zur Kybergstraße.

Das Leistungsbild der jetzt vorliegenden Verkehrsuntersuchung umfasst folgende Bausteine:
  • Status Quo-Analyse (Ziel-, Quell-, Binnen-, Durchgangsverkehr),
  • Simulation der Integration Oberhachings in den MVV-Innenraum (M-Zone);
  • Fahrgastabschätzung der bereits verkehrenden und für 2019 geplanten Regionalbuslinien (222 und 224) sowie der anvisierten und vorkonzipierten Ringbuslinien rund um München (X203 und X320), die Deisenhofen ab etwa 2022 anbinden sollen,
  • Abschätzung der verkehrsinduzierenden Wirkung des anvisierten Schulcampusmit Realschule und Fachoberschule auf der Westseite des Bahnhofs Deisenhofen;
Selbstverständlich wurde die für 2020/2021 geplante Sanierung und Beseitigung der Engstelle an der Sauerlacher Straße (Bahndamm) bei der Untersuchung berücksichtigt.

Die wesentlichen Ergebnisse der Intraplan-Gutachter aus München:
  • Von den 70.000 täglichen Fahrten in Oberhaching entfallen ca. 28,5% (20.000) auf den Durchgangsverkehr. 50.000 Fahrten haben in Oberhaching ihren Anfangs- oder Endpunkt oder auch beides. Das heißt, bei knapp drei Viertel aller Kfz-Fahrten handelt es sich um („hausgemachten“) Ziel-, Quell- oder Binnenverkehr.
  • Auch nach der Sanierung und Verbreiterung der Sauerlacher Straße entlang des Bahndamms bietet sich diese Trasse (künftig Tempo 30-Zone) nicht für Abkürzungsverkehr für Fahrten aus Richtung Oberbiberg in Richtung Grünwald an, da es nach wie vor schnellere Verbindungen hierfür gibt.
  • Infolge der MVV-Tarifstrukturreform sinken die Preise für Einzeltickets und für Zeitkarten von Deisenhofen nach München um ca. 40%. Das macht das Bahnpendeln attraktiver und damit auch die Nutzung des Pkw bis zur P&R-Anlage. Etwa 350 Pkw würden zusätzlich den Bahnhof Deisenhofen ansteuern, stünden dort die entsprechenden Parkplätze kostenfrei zur Verfügung.
  • Nicht berücksichtigt ist bei den Effekten der MVV-Tarifstrukturreform die jüngste Entscheidung des Kreistags, wonach MVV-Jahreskarten-Besitzern der Tarifzonen M+1 und M+2 die Mehrkosten im Hinblick auf ein reines M-Zonen-Ticket erstattet werden. Mit dem Wegfall dieser Preissprünge sinkt der Druck auf die P&R-Plätze in Deisenhofen aus den Nachbargemeinden deutlich! Ebenso wenig wurde eine Bewirtschaftung der P&R-Anlage in Erwägung gezogen, sprich die Parkplätze kostenpflichtig zu machen. Auch nicht berücksichtigt ist die anstehende Sperrung und Sanierung der Sauerlacher Straße in 2020/ 2021, die ebenfalls Pendler abhalten bzw. nach Furth umleiten wird.
  • Infolge der Tarifreform rechnen die Gutachter mit ca. 1.400 Pendlern am Bahnhof Deisenhofen mehr, also mit dann werktäglich 7.500 Bahn-Pendlern.
  • Die Verbesserung des Busangebots in den kommenden Jahren erhöht diese Zahl nochmals um ca. 1.300 Personen, sodass dann mit gut 8.800 Bahn-Pendlern am Bahnhof Deisenhofen an Werktagen zu rechnen ist.
  • Die verkehrlichen Auswirkungen des anvisierten Schulcampus auf der Westseite des Bahnhofs Deisenhofen taxieren die Gutachter im Jahr 2035 auf 425 Fahrtenpaare an Schultagen. Unterstellt werden dabei knapp 1.600 Schüler und 160 Lehrer, sonstiges Personal und Besucher. Ca. 290 Fahrtenpaare führen nach Ansicht der Gutachter über die Kybergstraße, lediglich 40 Fahrtenpaare über die Sauerlacher Straße. Aktuell geht das Landratsamt von 1.400 Schülern aus, aber auch diese Zahl dürfte eher noch zu hoch gegriffen sein. Damit würden auch die Fahrten tendenziell sinken.
  • Würde die Schulcampusfläche hingegen für Wohnungsbau genutzt, gehen die Gutachter von ca. 2.000 Fahrten pro Tag (also nicht nur an Schultagen) aus, was in etwa der doppelten Fahrtenanzahl des Schulcampus entspräche.
Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass im Rahmen des noch nicht gestarteten Bebauungsplanverfahrens für den Schulcampus die verkehrlichen Auswirkungen planungsspezifisch zu untersuchen sind. Aktuell ging es nur um eine näherungsweise Abschätzung des Zusatzverkehrs sowie dessen grobe Verteilung auf die Verkehrsmittel und Straßen.

Die nunmehr vorliegenden Verkehrsdaten ermöglichen ein Verkehrsmodell, das letztlich eine Simulation unterschiedlicher infrastruktureller oder verkehrspolitischer Maßnahmen erlaubt, um deren Wirksamkeit im Vorfeld abschätzen zu können. Darin liegt der große Mehrwert dieser jüngsten Erhebung der Verkehrszahlen aus Mobilfunk- und Videodaten.

Die Ergebnispräsentation der Verkehrsuntersuchung 2019 steht Ihnen online zur Verfügung.

Die untenstehende Fotosimulation zeigt die Sauerlacher Straße über das Gleißental nach der in 2020/ 2021 anstehenden Sanierung und Verbreiterung mit einem rot eingefärbten Fahrradschutzstreifen hinauf zur Tölzer Straße bzw. zur Staatsstraße 2368. Dieser Straßenabschnitt soll dann auch Tempo 30-Zone werden. Für die in Richtung Bahnhof Deisenhofen bergab radelnden Personen ist insofern kein weiterer Schutzstreifen nötig, aber auch vom Straßenraum her nicht möglich.

Fotosimulation Sauerlacherstraße mit rotem Fahrradschutzstreifen bergauf