Radverkehr findet grundsätzlich auf der Straße statt!

Die Änderung bzw. Klarstellung der Radverkehrsführung vom Bahnhof Deisenhofen in Richtung Kugler Alm entlang der Linienstraße hat bereits während den Markierungsarbeiten zu Nachfragen geführt. Neu ist, dass die Radfahrer künftig hauptsächlich auf der Linienstraße selbst fahren und nicht mehr auf dem begleitenden Weg, damit sich dort die Fußgänger und die radelnden Kinder möglichst frei und sicher bewegen können.

Diese Trennung von Fuß- und Fahrverkehr ist umso mehr geboten, als dass der Radverkehr in Zukunft weiter zunehmen wird. So positiv die Gemeinde dieser Entwicklung gegenübersteht und diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch befördert, so sehr müssen auch die Bedürfnisse der schwächeren Vekehrsteilnehmer beachtet werden. Wobei die Radlerinnen und Radler, auch wenn subjektiv anders empfunden, auf der Straße (gerade bei Tempo 30) weitaus sicherer unterwegs sind als auf einem durch das Straßennetz immer wieder unterbrochenen Radweg.

Tempo 30-Zonen und Radwege

Die Trennung von Fuß- und Radverkehr richtet sich also ausdrücklich nicht gegen die Radfahrer. Vielmehr dürfen in Tempo 30-Zonen gar keine benutzungspflichtigen Radwege angelegt werden und auch diese suggerieren nur eine Sicherheit, die sie nach allen Unfallstatistiken nicht bieten. Deshalb sprechen sich selbst Fahrradverbände wie der ADFC grundsätzlich dafür aus, dass sich Radler und Autofahrer möglichst im gleichen Verkehrsraum bewegen, wo sie sich gegenseitig im Blick haben. Denn je eher und besser man jemanden sieht, desto früher und vorausschauender kann man sich auf die Situation einstellen und mögliche Gefahrenmomente vermeiden. Umso mehr, als dass die Geschwindigkeiten von Auto und Fahrrad in Tempo 30-Zonen relativ nahe beieinander liegen (wenn sich denn die Autofahrer daran halten).

Tempo 30-Zonen für Mischverkehr bestens geeignet

Tempo 30-Zonen sind für den sogenannten Mischverkehr von Fahrrad- und Autoverkehr prädestiniert und zwar unter Wahrung der Verkehrssicherheit der Radfahrer. Aus diesen und den unten aufgeführten Gründen hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss im Oktober 2013 klargestellt, dass in Oberhaching der Radverkehr grundsätzlich auf der Straße geführt wird.

Kinder sind davon selbstverständlich ausgenommen, denn sie dürfen (bis zum Alter von10 Jahren) bzw. müssen (alle Kinder unter 8 Jahren) beim Radeln den Gehweg benutzen. Um deren Verkehrssicherheit als auch die der Fußgänger zu erhöhen, ist die Führung des Radverkehrs auf der Straße sinnvoll und angesichts von Tempo 30 und der Verkehrszahlen auch machbar. Benutzungspflichtige Radwege (siehe unten) sind in Tempo 30-Zonen im Übrigen nicht zulässig. Und von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen, also im Gegenrichtungsverkehr, wird innerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich abgeraten.

Aus all diesen Gründen gilt in Oberhaching die einfache und klare Regelung: Radverkehr findet auf der Straße statt! Sprich, Fahrverkehr gehört auf die Fahrbahn. Mit der Ausnahme, den Radfahrern die attraktiven Abkürzungen innerhalb der Gemeinde nicht vorzuenthalten. Das heißt, für die Radler sind die straßenbegleitenden Fußwege tabu, nicht aber die Wegabschnitte, die abseits des Straßenverlaufs eine spürbare und vertretbare Abkürzung ermöglichen.

Verkehrssicherheit auch für Fußgänger und radelnde Kinder

Der Weg entlang der Linienstraße (wie auch der Sauerlacher Straße) steht damit überwiegend den Fußgängern und den radelnden Kindern unter 10 Jahren zur Verfügung. Damit sie sich sicher fühlen und mit noch mehr Freude dort bewegen können.

Gerade die älteren Mitbürger, die schlechter hören oder sehen oder auf einen Rollator angewiesen sind, oder Menschen, die sich im Rollstuhl fortbewegen, fühlen sich auf einem von Radlern und Fußgängern gemeinsam benutzten Weg nicht wohl, wenn es dort beengt zugeht. Und auch viele Eltern mit kleinen Kindern erschrecken sich, wenn sie plötzlich von hinten überholt werden oder wenn Ihnen ein Hobbysportler auf seinem Rennrad besonders rasant entgegenkommt.

Die Gemeinde will damit den radelnden Kindern und den Fußgängern, auch und gerade unter den Aspekten der Inklusion und des demografischen Wandels, einen eigenen Bewegungsraum einräumen, der auch Unachtsamkeiten oder körperliche Unzulänglichkeiten verzeiht und Kollisionen mit anderen (deutlich schnelleren und „stärkeren“) Verkehrsteilnehmern vorbeugt. Die Wegbreite entlang der Linienstraße ist hingegen für eine durchgängige "Doppelbelegung" durch Fuß- und Radverkehr und das auch noch in beide Richtungen, also im Begegnungsverkehr, nicht ausgelegt.

Attraktive Abkürzungen sollen für Radfahrer möglich bleiben

Wie bereits oben erwähnt, sollen den Radfahrern die vielfach attraktiven Abkürzungen in der Gemeinde nicht vorenthalten werden. Das heißt, für die Radler sind vor allem die straßenbegleitenden Wege tabu, nicht aber die Abschnitte, die abseits des Straßenverlaufs eine spürbare Abkürzung erlauben.

Das führt im Ergebnis dazu, dass es im Verlauf der Linienstraße mehrere Ein- und Ausleitungen der Radfahrer auf die Straße bzw. den gemeinsamen Geh- und Radweg gibt. Diese Situationen sind nicht unkritisch. Dessen waren sich die Gemeinde, der ADFC und die Agenda 21 bei der Entscheidung über diese Radverkehrsführung im Rahmen einer Befahrung im Spätjahr 2013 bewusst. Deshalb finden die umfangreichen Markierungs- und Beschilderungsmaßnahmen statt und es werden entsprechend freie Sichtfelder geschaffen. Ebenso sind immer wieder die Grundregeln der Straßenverkehrsordnung (StVO) in Erinnerung zu rufen:
  • Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
  • Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
Diese Grundregeln der Verkehrsordnung lassen sich letztlich durch keine Markierungen und Beschilderungen der Welt ersetzen. Hier ist schlicht und ergreifend die persönliche Verantwortung eines jeden Verkehrsteilnehmers gefordert!

Markierungen und Beschilderungen - Keine "Freie Fahrt für Radler"!

Die modifizierte Verkehrsführung wird den Verkehrsteilnehmer durch Beschilderungen und ergänzende Bodenmarkierungen deutlich gemacht. Je selbstverständlicher, klarer und sichtbarer sich die Radfahrer auf der Straße bewegen und diese hin und wieder kreuzen, umso mehr stellen sich die Fußgänger, die Radler und die Autofahrer auf diese Situationen ein und passen die Geschwindigkeiten an. Schließlich gilt Tempo 30!

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: „Freie Fahrt für Radler“ gilt auf den gemeinsamen Geh- und Radwegen auch künftig nicht! Radfahrer und Fußgänger benutzen den Weg zwar gleichberechtigt, allerdings müssen die Radler erforderlichenfalls die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr anpassen.

Und was viele nicht wissen: Ein Fußgängerschild mit dem weißen Zusatzzeichen "Radfahrer frei", wie bei den Unterführungen in Oberhaching üblich, bedeutet demgegenüber weitergehend, dass dieser Weg zuvorderst den Fußgängern dient. Radverkehr ist dort zwar zugelassen, aber der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Überhaupt darf hier nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden und, wenn nötig, muss der Radfahrer warten. Hier genießt der Fußgänger also ganz klar Vorrang gegenüber dem Radfahrer! Schließlich geht es in den Unterführungen nicht nur beengt zu, es gibt durch die Seitenwände auch keine Ausweichmöglichkeit - weder für die Radler noch für die Fußgänger.

Sicherheit gibt es nur gemeinsam - Durch gegenseitige Rücksicht!

All diese Festlegungen, Markierungen und Beschilderungen werden letztlich aber nicht genügen. Entscheidend ist, dass wir alle, sei es als Fußgänger, Rad- oder Autofahrer, gegenseitige Rücksicht und Nachsicht gerade gegenüber den Kindern und den Senioren üben. Für ein gutes und sicheres Miteinander, für aktive Teilhabe am Alltag und noch mehr Lebensqualität für uns alle.

Dessen sollten wir uns, bei aller Kritik im Detail, immer bewusst sein. Und selbstverständlich ist die Gemeinde für jeden Hinweis dankbar, um dieses Miteinander weiter zu befördern.